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GEKURBELT, ENTFESSELT, BUNT, DIGITAL
Kameratechnik und Filmkunst in der deutschen Kinematografie

35. Internationaler Filmhistorischer Kongress

17./18.-  19./20.11.2022

Ankündigung und Call for Papers

Die Kamera ist technisches, aber auch künstlerisches Herzstück der Filmproduktion. Getrieben von der Idee, bewegte Bilder einzufangen und wiederzugeben, ist die technische Entwicklung der Kamera (und der damit zusammenhängenden Technologien wie Filmmaterial und Lichtsetzung) ein Prozess, der mit der bewegten Fotografie begann und mit der Digitalisierung der Aufnahme noch nicht abgeschlossen ist.
Technische Innovationen lösten auch immer ästhetische Entwicklungen aus – und umgekehrt. Auch politische Ereignisse wie die beiden Weltkriege hatten Einfluss auf Erfindungen in der Aufnahmetechnik.
Die hoch angesehene Kamerakunst der deutschen Kinematografie hatte auch international großen Einfluss. Etablierte Meister der Kamera gingen ins Ausland und halfen dort bei der Professionalisierung der Filmproduktion, Nachwuchskräfte aus dem Ausland verfeinerten ihr Können in deutschen Ateliers.
Ein Aspekt ist dabei auch das Schicksal von Immigranten und Exilanten und ihr Einfluss auf die jeweiligen Exilländer: z.B. Karl Freund, einer der bedeutendsten Kameramänner des Weimarer Kinos (Der letzte Mann, Varieté), gewann mehrere Oscars und beeinflusste in den 1950ern durch seine technischen Erfindungen die Herausbildung der Kameraführung im Fernsehen. Der in den 1920ern in Deutschland als Fotograf von Unterhaltungsfilmen populäre Heinrich Gärtner prägte in Franco-Spanien – trotz Intervention aus Nazi-Deutschland – als Enrique Guerner eine wichtige Kameraschule. Eugen Schüfftan, Erfinder einer seit den 1920ern viel genutzten Tricktechnik fotografierte im französischen Exil einige Meisterwerke des »Poetischen Realismus«, hatte aber in den USA Probleme, in seinem Metier zu arbeiten, weil ihm als Exilant die Kamera-Gewerkschaft die Mitgliedschaft verweigerte. Der Prager Otto Heller arbeitete u.a. mit Karel Lamač zusammen, in den 1930ern auch in Deutschland, ehe er 1939 ins Exil nach England ging.
Mit ihrer technischen Experimentierfreude und ihrem gestalterischen Sinn wurde die Entwicklung im 20. Jahrhundert von Personen wie Guido Seeber, Bruno Mondi (Agfacolor), Michael Ballhaus, Gisela Tuchtenhagen, Roland Dressel, Judith Kaufmann und vielen anderen vorangetrieben.

cinefest und CineGraph-Kongress 2022 verfolgen die vielfältigen Verknüpfungen zwischen Technik, Ästhetik und Politik im Panorama des 20. Jahrhunderts.

Mögliche Themenkomplexe beim Kongress:

  • Wechsel Studiokamera, Handkamera, Digital
  • Auswirkungen der Kameratechniken auf Team-Zusammensetzung
  • Einführung Tonfilm: technische und ästhetische Auswirkungen (Kabine, Blimp, Lichtmaschine)
  • Kameraästhetik (Lichtsetzung, Zoom↔Fahrt, bewegte Kamera, s/w↔Farbe, Nouvelle Vague)
  • Dokumentarfilm: Kamera / Tonaufnahme / Format / Video / Digital
  • Kameraperspektiven (Subjektive Kamera)
  • Bildformate (CinemaScope): Künstlerische und arbeitstechnische Probleme
  • Arbeitsbeziehungen Kamera – Regie – Szenografie – Produktion
  • Wechsel von Kamera → Regie / → Produktion
  • Atelier, Außenaufnahmen, Originalschauplätze
  • Ausbildung Lehrling / Studium, soziale Stellung
  • Karrieren einzelner Kameramänner und -frauen
  • Einfluss emigrierter Kameraleute auf Film Noir etc.
  • Selbstverständnis Kameramänner und -frauen, Austausch mit anderen Künsten, Stellung im Team

Weitere Themenvorschläge sind willkommen.

Die Vorträge sind auf ca. 20 Minuten angesetzt und werden anschließend im Plenum diskutiert. Die Konferenzsprachen sind Deutsch oder Englisch (es gibt keine Live-Übersetzung). Referent:innen erhalten den Festival-Katalog sowie eine Kongress-Akkreditierung, die auch zum Besuch der Kinoveranstaltungen vom 17.-20.11.2022 berechtigt.
Auswärtige Referent:innen können in der Regel mit einem Reisekostenzuschuss unterstützt werden.
Gerne können Vorschläge für Vorträge in Form eines Abstracts (ca. 1500 Zeichen) inkl. einer Kurzbiografie bis zum 1. Juni 2022 an kongress@cinegraph.de geschickt werden.

In Vorbereitung auf Kongress und Festival fand vom 12. – 15. Mai 2022 ein internes Sichtungskolloquium im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums (12., 14., 15.5.) und im Bundesarchiv (13.5.) statt.
Das Sichtungskolloquium ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von CineGraph – Hamburgisches Centrum für Filmforschung und dem Bundesarchiv, in Zusammenarbeit mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums, Berlin, sowie weiteren Partnern.

Konzeption: Hans-Michael Bock, Swenja Schiemann, Erika Wottrich
Beratung: Petra Rauschenbach, Axel Block, Jan Distelmeyer, Malte Hagener, Martin Jehle, Thomas Brandlmeier, Peter Badel, Michael Neubauer

Organisation: Erika Wottrich, Swenja Schiemann

Coordination Bundesarchiv: Daniela Tamm

Technische Betreuung: George Riley

Westwärts.
Osteuropäische Filmschaffende in Westeuropa

34. Internationaler Filmhistorischer Kongress

19.-21.11.2021
Kommunales Kino Metropolis und Online

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Frühlingsstimmen (AT 1933, Paul Fejos) - Quelle: Deutsche Kinemathek

Der 34. Internationale Filmhistorische Kongress ist integraler Teil des cinefest und vertieft die Themen des Festivals in Vorträgen und Diskussionen. Er wird am Abend des 18.11.2021 im Kommunalen Kino Metropolis eröffnet. Während der Veranstaltung werden auch die Willy Haas-Preise für eine bedeutende internationale Publikation (Buch und DVD) verliehen. Die Vorträge des Kongresses finden vom 19.-21.11.2021, jeweils von 9:30 – 16:00 Uhr ebenfalls im Metropolis-Kino sowie online als Live-Stream statt.
Für die Teilnahme ist die vorherige Akkreditierung erforderlich.
Ab 17:00 folgt dann das Filmprogramm.

Beim cinefest gilt die 2G-Regel!
Bitte bringen Sie bei Teilnahme am Kongress on-site den Nachweis über eine vollständige Corona-Impfung oder eine Genesung zusammen mit Ihrem Personalausweis/Reisepass mit.

In den letzten Jahrzehnten ist – nicht zuletzt durch cinefest – das Schicksal von jüdischen Filmschaffenden aus Mittel- und Ost-Europa, die durch den Rassenwahn der NS-Regierung aus der deutschen Kinematografie ins Exil vertrieben wurden, relativ gut erforscht worden. Darüber hinaus gab es aber auch zahllose osteuropäische Filmmacher aller Gewerke, die im 20. Jahrhundert in West-Europa gearbeitet haben; ihre Karrieren sind weitaus weniger erforscht. Sie kamen nach politischen Umbrüchen (von der »Oktober-Revolution« bis zum Ende des »Prager Frühlings«), aber auch zur Verbesserung ihrer professionellen Chancen und erlebten dabei höchst unterschiedliche Karrieren zwischen Erfolg und Scheitern.
So kam beispielsweise die Lettin Marija Leiko aus Riga (damals Russisches Reich) nach Deutschland, wo sie als Schauspielerin im Stummfilm Karriere machte. Nach deren Ende kehrte sie nach Riga zurück und wurde während des stalinistischen Terrors 1938 vom NKWD erschossen (1957 rehabilitiert). Ihr Lebensgefährte Janis Guters, mit dem sie nach Berlin gekommen war, inszenierte als Johannes Guter ab 1917 im Weimarer Kino zahlreiche Filme, blieb in Nazi-Deutschland und beendete seine Filmkarriere mit einer Serie von »Tran und Helle«-Propagandafilmen. Er starb 1962 in der DDR.
Zahlreiche polnische und ukrainische Filmmacher (aus dem Russischen Zarenreich) standen nach der Gründung der Sowjetunion vor der Wahl, dort weiterzuarbeiten oder in den Westen zu gehen.
Der russische Szenenbildner Andrej Andrejev stattete nach 1917 in Berlin (Die 3-Groschen-Oper), London und Paris zahlreiche Filme aus. Da er dann in Paris eng mit der deutschen Okkupationsfirma Continental (Le Corbeau) zusammengearbeitet hatte, bekam er in Frankreich keine Aufträge mehr und arbeitete in England und der Bundesrepublik.
Anhand der Karrieren tschechoslowakischer Filmmacher – z.B. Regisseur Karel Anton, Produzent Miloš Havel, Autor & Regisseur František Čáp, Regisseur Stanislav Barabaš oder Kameramann Igor Luther – läßt sich die Film-Situation unter unterschiedlichen politischen Verhältnissen zwischen Deutschem Reich, Tschechoslowakei, »Protektorat Böhmen und Mähren« und Bundesrepublik Deutschland analysieren.
Die DEFA-Stiftung arbeitet das Werk des Bulgaren Slatan Dudow auf. Es umfasst ca. 10 Filme, die – ebenso wie seine Karriere in der Weimarer Republik, in Frankreich und in der DDR – beim cinefest einen Schwerpunkt bilden werden.
Beim cinefest und dem Filmhistorischen Kongress 2021 sollen die zahlreichen »gebrochene« Karrieren von Filmschaffenden aus Mittel- & Ost- in West-Europa recherchiert und ein interessanter Querschnitt solcher weitgehend vergessener Filmschaffender präsentiert werden.

Programm

Der Live-Stream der Vorträge online findet zeitgleich zu den im Programm genannten Zeiten statt

Keine Veranstaltung gefunden

Konzeption: Hans-Michael Bock, Swenja Schiemann, Erika Wottrich
Beratung: Petra Rauschenbach, Ralf Schenk, Milan Klepikov, Tereza Czesany Dvořáková, Reká Gulyas
Organisation: Erika Wottrich, Swenja Schiemann
Coordination Bundesarchiv: Daniela Tamm
Technische Betreuung: George Riley        


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