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Zwischen Schreibmaschine und Filmkamera
Literaten und ihr Verhältnis zum Film

38. Internationaler Filmhistorischer Kongress

19. (Eröffnung) - 22.11.2025, Hamburg

Call for Papers

Betrachtet man die literarische Szene der 1950er – 1980er Jahre in West- und Ost-Deutschland, so zeigt sich ein bemerkenswerter Unterschied. In der DDR arbeiteten viele führende Schriftstellerinnen und Schriftsteller auch selbst im Film: Christa & Gerhard Wolf schrieben Drehbücher, Helga Schütz hat u.a. an der Filmhochschule in Babelsberg studiert, Jurek Beckers Welterfolg »Jakob der Lügner« begann als Drehbuch. In West-Deutschland hingegen war der Film für viele Autorinnen und Autoren zunächst nicht Teil ihrer Medienarbeit – es sei denn, sie konnten ihre Bücher für die Verfilmung »verkaufen«. Eine Änderung dieser filmskeptischen Haltung erfolgte erst im Verlauf der 1960er und 1970er Jahren.
Der 38. Internationale Filmhistorische Kongress auf dem cinefest 2025 geht den gesellschaftlichen Gründen und kulturellen Auswirkungen dieser Situation nach. Der Call for Papers lädt zu Vorträgen ein, die im Schnittfeld von literatur-, medien- und speziell film-wissenschaftlicher Forschung die spannungsvolle Beziehung von Literaten zum Film beleuchten. Dabei ist der Zeitraum nicht auf die deutsch-deutsche Nachkriegszeit beschränkt, sondern erfolgt auch im Rückblick auf die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.

Mögliche Themenkomplexe (mit Beispielen) beim Kongress:

Weimarer Republik:
– Der expressionistische Dichter Franz Richard Behrens schrieb unter dem Pseudonym Erwin Gepard Drehbücher (Hamlet, 1920/21 mit Asta Nielsen)

Nationalsozialismus:
– Schriftsteller, die beim Film ›unterschlüpfen‹ konnten: Edlef Köppen, Axel Eggebrecht, Wolfgang Koeppen, Erich Kästner (diverse Pseudonyme, DER KLEINE GRENZVERKEHR), Hans Fallada
– HJ-Filmer, die auch nach dem Ende des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik Deutschland für Film und Fernsehen arbeiten konnten, zum Beispiel: Alfred Weidenmann, Herbert Reinecker (JUNGE ADLER, CANARIS, DERRICK)

Exil: 
– Autorinnen und Autoren, denen es im Exil gelang, für die Filmproduktion des Gastlandes zu schreiben, zum Beispiel: Vicky Baum, Rudolph Cartier/Katscher, Joseph Roth

Bundesrepublik Deutschland:
– Autoren und Autorinnen der »Gruppe 47« und ihr Verhältnis zum Film
– Schriftsteller, die als Rundfunkredakteure arbeiteten, darunter auch für das Fernsehen, zum Beispiel: Alfred Andersch, Helmut Heißenbüttel, Martin Walser
– Die Arbeit von Literaten speziell für das Fernsehen, zum Beispiel: Dieter Meichsner und Wolfgang Menge
– Die multi-mediale Arbeit von Alexander Kluge
– Literarisches Colloquium Berlin – Walter Höllerer
– Johannes Mario Simmel: »Trivialautor« aber zeitnahe Themen (MEIN SCHULFREUND, ALLE MENSCHEN WERDEN BRÜDER)
– Neue Frankfurter Schule »Arnold Hau« (DAS CASANOVA-PROJEKT)
– Pia Frankenberg (BRENNENDE BETTEN)

DDR:
– Walter Janka (Aufbau-Verlag, DEFA)
– Willi Bredel, Wolfgang Trampe (DEIN UNBEKANNTER BRUDER)
– Jurek Becker (JAKOB DER LÜGNER), Wolfgang Kohlhaase (DER FALL GLEIWITZ, BERLIN UM DIE ECKE, INGE, APRIL UND MAI), Ulrich Plenzdorf (DIE NEUEN LEIDEN DES JUNGEN W., DER FALL Ö.), Thomas Knauf (DIE ARCHITEKTEN, WIR WAREN SO FREI – EIN FILM ÜBER EINEN FILMm)

Grenzgänger:
– Günter Rücker  (CS-DDR, DIE BESTEN JAHRE, HILDE, DAS DIENSTMÄDCHEN)
– Franz Fühmann (CS-DDR, DIE HEUTE ÜBER 40 SIND)
– Thomas Brasch (DDR-BRD, ENGEL AUS EISEN, DoMINO) 
– Günter Kunert (DDR-BRD, DAS ZWEITE GLEIS, VOM KÖNIG MIDAS)
– Manfred Bieler (DDR-CS-BRD, DAS KANINCHEN BIN ICH, DER MÄDCHENKRIEG)
– Peter Weiss (DE-CS-SE)

Schweiz:
– Friedrich Dürrenmatt (ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG) 

Österreich:
– Peter Handke (FALSCHE BEWEGUNG, DIE LINKSHÄNDIGE FRAU)
– Elfriede Jelinek (DIE AUSGESPERRTEN, MALINA nach Ingeborg Bachmann)

Schreibpaare:
– Egon Günther & Helga Schütz (LOTS WEIB, STEIN)
– Christa & Gerhard Wolf (DER GETEILTE HIMMEL, TILL EULENSPIEGEL)
– Wera & Claus Küchenmeister (SIE NANNTEN IHN AMIGO, TEDDY, DANIEL UND DER WELTMEISTER)
– Manfred Freitag & Joachim Nestler (DENK BLOSS NICHT, ICH HEULE, DER VERLORENE ENGEL, DANIEL UND DER WELTMEISTER)

Kinderfilm 
– Benno Pludra

Schreiben über Film
– Fritz Rudolf Fries (»Die Väter im Kino«), Daniel Kehlmann, Clemens Meyer, Micaela Jary

Weitere Themenvorschläge sind willkommen.

Die Vorträge sind auf ca. 20 Minuten angesetzt und werden anschließend im Plenum diskutiert. Die Konferenzsprachen sind Deutsch oder Englisch (es gibt keine Live-Übersetzung). Der Kongress findet voraussichtlich in hybrider Form statt (Präsenz und Videostream). Vortragende erhalten den Festival-Katalog sowie eine Kongress-Akkreditierung, die auch zum Besuch aller Kinoveranstaltungen vom 20.-24.11.2024 berechtigt.
Auswärtige Vortragende können in der Regel mit einem Reisekostenzuschuss unterstützt werden.
Vorschläge für Vorträge erbitten wir in Form eines Abstracts (ca. 1500 Zeichen) inkl. einer Kurzbiografie bis zum 30. Juni 2025 an kongress@cinegraph.de. Sie erhalten bis 31.7. eine Rückmeldung, ob der Vorschlag angenommen wurde.

In Vorbereitung auf Kongress und Festival findet vom 13. – 16. Mai 2025 ein internes Sichtungskolloquium in Berlin statt: 13.5. im Zeughauskino (Unter den Linden 2) und 14.-16.5. im Bundesarchiv, Standort Lichterfelde (Finckensteinallee 63). Bei Interesse an einer Teilnahme schreiben Sie bitte an kongress@cinegraph.de.
Für die Teilnahme an der Sichtung wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 20 Euro erhoben.

XXII. cinefest – Internationales Festival des deutschen Film-Erbes und der 38. Internationale Filmhistorische Kongress werden veranstaltet von CineGraph Hamburg und Bundesarchiv in Kooperation mit zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen.

Konzeption: Hans-Michael Bock, Erika Wottrich
Beratung: Hans-Ulrich Wagner, Michael Töteberg, Milan Klepikov, Adelheid Heftberger, Jan Distelmeyer
Organisation: Erika Wottrich, Swenja Schiemann
Coordination Bundesarchiv: Florian Höhensteiger
Technische Betreuung: George Riley

Rückblick Kongress 2024

Mehr als Tell und Heidi
Deutsch-Schweizerische Filmbeziehungen

37. Internationaler Filmhistorischer Kongress

20. (Eröffnung) - 23.11.2024, Hamburg

Die missbrauchten Liebesbriefe (CH 1940, Leopold Lindtberg): Paul Hubschmid / (c)Praesens-Film AG. Sammlung Cinémathèque suisse

Für die Teilnahme ist eine vorherige Anmeldung erforderlich
Zur Akkreditierung

Der Kongress findet sowohl als Präsenzveranstaltung als auch online über Live-Stream statt.

Idyllische Bergkulissen, die Sage von Wilhelm Tell und die vielfachen medialen Reproduktionen von Johanna Spyris »Heidi« prägen das filmische Bild der Schweiz aus deutscher Sicht. Dazu kommen zahlreiche Adaptationen der Literatur-Klassiker wie Gottfried Keller und Jeremias Gotthelf. Darüber hinaus gibt es aber noch einiges mehr zu entdecken, was die Filmproduktion der beiden Länder miteinander verbindet.
Der 37. Internationale Filmhistorische Kongress geht den vielfältigen Verflechtungen zwischen der deutschen und schweizerischen Filmgeschichte und -produktion nach. 
Zum Einstieg gibt Achatz von Müller einen Abriss über die Mythen und Geschichte der Schweiz und Frédéric Maire stellt die Besonderheiten der Schweizer Filmgeschichte vor. Martin Girod betrachtet bzgl. Geschäft und Politik die Filmbeziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz in der Zeit 1933-45. Die in dieser Zeit auch in der Schweiz aktive Produktionsfirma Terra der Brüder Scotoni drehte Filme im Sinne der Nazi-Ideologie. Daniel Otto schaut hinter die Kulissen und Arbeitsweisen der Firma. Aufgrund der Hürden, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, gibt es nur wenige Filmmacher, die im Schweizer Exil ihre Karrieren fortsetzen konnten. Die Exilerfahrungen von Hans Richter und Julius Pinschewer, die mit Kurz- und Werbefilmen auch in der Schweiz erfolgreich waren, werden im Panel »Kurzfilme im Exil« von Yvonne Zimmermann, Martin Loiperdinger und Ralf Forster vorgestellt. Die Besonderheit des Sprachraum Schweiz spiegelt sich auch in der Rezeption von Mehrsprachenversionen wider, die – oft auf deutsch und französisch gedreht – in der Schweiz einen lohnenden Absatzmarkt fanden, was Daniel Wiegand und Jessica Berry am Beispiel der Rezeption von DIE NACHT GEHÖRT UNS (1929) aufzeigen. Felix Aeppli betrachtet die Koexistenz von Dialekt und Hochdeutsch im Schweizer Film. Im Panel »Mythen und Nationalismus« betrachtet Benedikt Eppenberger die eidgenössische Filmpropaganda anhand von Leopold Lindtbergs LANDAMMANN STAUFFACHER (1941). Timur Sijaric untersucht die Inszenierungen von nationalsozialistischen audiovisuellen Mythen, während Axel Block einen besonderen Blick auf die Schweizer Berge als Hauptdarsteller für die Kameramänner der Freiburger Schule wirft. Im abschließenden Panel beschäftigt sich Elizabeth Ward mit dem Verhältnis der DDR zur Schweiz und der Präsentation von DEFA-Filmen beim Locarno Film Festival.
Ergänzt wird der Kongress durch eine Vorstellung der Cinémathèque suisse durch ihren Direktor Frédéric Maire.

Programm

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In Vorbereitung auf Kongress und Festival fand vom 24. – 26. April 2024 ein internes Sichtungskolloquium im Bundesarchiv, Standort Lichterfelde (Finckensteinallee 63) statt. Bei Interesse an einer Teilnahme schreiben Sie bitte an kongress@cinegraph.de.
Das Sichtungsprogramm ist keine Vorauswahl und bildet daher keine Schablone für das endgültige Festivalprogramm. Vielmehr werden wir nicht so leicht zugängliche Kopien, unsichere Filme und Problemfälle anschauen und mit den Teilnehmenden diskutieren. Das Kolloquium dient auch als Workshop für die Vorbereitung auf den Kongress, bei dem Ideen für Vorträge und Schwerpunkte besprochen werden können.
Für die Teilnahme an der Sichtung wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von 20 Euro erhoben.

XXI. cinefest – Internationales Festival des deutschen Film-Erbes und der 37. Internationale Filmhistorische Kongress werden veranstaltet von CineGraph Hamburg und Bundesarchiv in Kooperation mit der Cinémathèque Suisse und zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen.

Konzeption: Hans-Michael Bock, Erika Wottrich
Beratung: Martin Girod, Achatz von Müller, Frédéric Maire, Milan Klepikov, Nicole Reinhard, Hannes Brühwiler, Adelheid Heftberger, Jan Distelmeyer
Organisation: Erika Wottrich, Swenja Schiemann
Coordination Bundesarchiv: Florian Höhensteiger
Technische Betreuung: George Riley


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