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Der 34. Internationale Filmhistorische Kongress ist integraler Teil des cinefest und vertieft die Themen des Festivals in Vorträgen und Diskussionen.
Für die Teilnahme ist die vorherige Akkreditierung erforderlich.

Stundenplan

18.11.2022

10:00 - 10:10
Begrüßung
PANEL 1: KINEMATOGRAFIE IM WANDEL
10:10 - 11:00
Berufsbild und Arbeitsrealität der Kameraleute im Wandel: Beispiel Deutschland
Die Anfänge der Kinematografie waren auch in Deutschland geprägt durch Allrounder und Erfinder – heute ist das Berufsbild in verschiedene Sektoren stark ausdifferenziert. Tätigkeitsprofile haben sich über mehrere Etappen ausgebildet und verändert. Die konkreten Möglichkeiten und Anforderungen haben Kameraleute genutzt, um ihre Bilder im Sinne des Zeitgeschmacks und der jeweiligen technischen Rahmenbedingungen herzustellen und die Grenzen der Ästhetik und der Gestaltungsspielräume aktiv zu erweitern. Es formte sich ein berufliches Selbstverständnis von Kameraleuten zwischen Technik und Kunst, Gestaltung und Kommerz aus. Die Wahrnehmung von Kameraleuten in der Branche und der Öffentlichkeit hat sich – entsprechend der gesellschaftlichen Rolle und Relevanz von Film und Fernsehen ebenfalls verändert. Zu Beginn des Internationalen Filmhistorischen Kongresses soll mit diesem Beitrag ein geschichtlicher Abriss über die Akteure der Kinematografie und ihre Berufswirklichkeit in den verschiedenen Phasen der deutschen Geschichte von Kino und Fernsehen gegeben werden.
Sprecher:in
Michael Neubauer
11:20 - 12:10
Krisen der Kameraarbeit. Einflüsse technischer Innovationen auf die Bildästhetik
Nur wenige technische Innovationen hinterlassen beständige und grundlegende Veränderungen der Bildästhetik. Die Einführung von Tonfilm, Farbfilm und CinemaScope sind solche Wendepunkte, nach denen keine Rückkehr mehr möglich war. Sie wirkten sich nicht nur elementar auf Qualifikation und Arbeitsprozesse der Kameraleute aus, sondern veränderten auch ihr Selbstverständnis und ihre Stellung in der Hierarchie des Teams. So wurde mit dem Tonfilm die Kenntnis der Belichtung als die ureigentliche Voraussetzung der Kameraarbeit stärker gefordert und Möglichkeiten der Bildgestaltung elementar beschnitten. Damit begann das Bild seine eigene Aussagekraft zu verlieren und musste verstärkt dem Handlungsablauf dienen. Der Farbfilm wirkte fundamental auf die künstlerische Arbeit mit Licht, Schatten und Kontrasten, forderte technische Routinen, die mächtig an der Identifikation der Kameraleute rüttelten. Nur langsam erkannte man die Bereicherung der Ausdrucksmöglichkeiten durch die Farbe. Und CinemaScope zerstörte das vielleicht wichtigste Parameter der Bildgestaltung, denn außer bei Scope existiert ab 1953 kein verlässliches Bildseitenformat mehr. »Shoot and protect« regiert und der Vorführer bestimmt die Kadrage. Doch wird auch erkennbar, dass technische Klippen Kreativität und Professionalisierung fördern. So verschwand die Bildästhetik nicht, sondern hat sich selbst unter Einfluss kleiner technischer Innovationen verändert, und wenn man so will – weiterentwickelt.
Sprecher:in
Axel Block
12:10 - 13:30
Mittagspause
13:30 - 14:10
Volkseigenes Cinemascope und 70mm-Film – Ein Zugewinn für narrative und visuelle Erlebnisse im Kino der DDR
Da das internationale Kino und seine Erfolge beim Publikum mit anamorphotischen Verfahren im Zuschauerraum erfolgreich war, musste die DDR die damit verbundenen Patente und Technologien rechtssicher nachvollziehen und eigene Umsetzungen entwickeln. Ende der 1950er Jahre entstand das volkseigene anamorphotische Verfahren Totalvision, die Objektive zum Aufnehmen hießen zunächst Prokimaskop und die zum Abspielen Rectimaskop und wurden in Jena und Rathenow gebaut. Viel wichtiger aber war der damit verbundene ästhetische Aufbruch im DEFA-Studio für Spielfilm, denn zunächst verbanden junge Autoren, Regisseure und Kameraleute ihre filmkünstlerische Utopie einer lebenswerten Gesellschaft direkt mit dem Aufkommen des neuen Formats: Karla (1965, Herrmann Zschoche), Denk bloss nicht, ich heule (1964/65, Frank Vogel), Der geteilte Himmel (1963/64, Konrad Wolf), Goya (1970/71, Konrad Wolf), Eolomea (1971/72, Herrmann Zschoche) usw. Die wichtigsten Kameraleute dafür waren Günter Ost, Werner Bergmann und Otto Hanisch, an deren Arbeit ich in diesem Zusammenhang erinnern werde.
Sprecher:in
Peter Badel
PANEL 2: KAMERA DIGITAL
14:30 - 15:40
Was ist die (digitale) Kamera?
Die Digitalisierung hat zwar das analoge Filmmaterial weitgehend verdrängt, nicht aber den optischen Apparat, der zur Aufnahmen der bewegten Bilder nach wie vor wesentlich ist. Kameras haben sich verändert und werden modifiziert: Vielfach werden digitale Möglichkeiten eingesetzt, um die Aufnahmen mit älteren, prädigitalen Techniken zu kombinieren oder diese durch Software bzw. Algorithmen simuliert. Durch diese Veränderungen stellt sich die Frage nach dem Prinzip der Kamera neu: was ist »die Kamera« überhaupt? Wo fängt sie an? Was ist Apparat, was Peripherie? Kameras sind dann als verschiedene Kombinationen distinkter technischer Objekte zu beschreiben: Body, Objektiv, Display, Sucher. Und sie interagieren mit Peripherien wie Stativen, Selfiesticks, Gimbals aber auch Apps. Sie konstituieren und konkretisieren sich im jeweiligen Gebrauchszusammenhang und bringen so eigene Ästhetiken hervor. Ausgehend von aktuellen technischen Entwicklungen wie der GoPro wollen wir eine neue Perspektive auf die Theorie der Kamera entwickeln.
Sprecher:in
Florian Krautkrämer
Michael Neubauer
Michael Neubauer
Geschäftsführer BVK
Dr. rer. pol. Michael Neubauer ist Geschäftsführer des BVK. 1958 in Marburg/Lahn geboren, humanistisches Abitur, Wehrdienst, Praktikum im Filmkopierwerk, Studium SFOF Berlin (staatlich geprüfter Kameraassistent). Ab 1981 tätig als freier Kameraassistent, 1987 Kameramann, ab 1981 Studium an der Ludwig-Maximilians Universität München: Kommunikationswissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft (1987 M.A., 1995 Dr. rer. pol.), eigene Produktion von Natur- und Imagefilmen, 1995–2002 externer Trainer der Staatlichen Führungsakademie Landshut (Organisations- und Team-Entwicklung), div. Lehraufträge, Autor und Mitheraus-geber zahlreicher Publikationen zur Berufssoziologie und Qualifikation von Kameraleuten und von Fachbü-chern über Bildgestalter, seit 1. Januar 2000 Geschäftsführer des BVK (Berufsverband Kinematografie e.V.), Mitglied im Verwaltungsrat der VG Bild-Kunst, Initiator und Moderator der UrheberAllianz Film&Fernsehen. Arbeitet in München und lebt 25 km außerhalb auf dem Land.
Axel Block
Axel Block
Kameramann
Kameramann seit 1974 (u.a. ca. 30 Kinofilme, 50 Fernsehfilme, div. Auszeichnungen). 1983/84 zusammen mit Arthur Ahrweiler Realisation der Dokumentation MEINE VERANTWORTUNG IST DIE FOTOGRAFIE (Interviews mit Ka-meramännern über ihre Arbeit im deutschen Film zwischen 1920 und 1950). 1995 Veranstalter eines internati-onalen Symposiums über CINEMASCOPE UND SUPER-35. Hochschullehrer an div. Hochschulen (u.a. von 1997–2015 Lehrstuhl für Angewandte Bildästhetik, HFF München – Aufbau der Abteilung VII/Kamera). 2020 Autor von »Die Kameraaugen des Fritz Lang« (edition text+kritik, Willy Haas-Preis 2021). 2022 zus. mit Gabriele Mehling, Michael Hild, Bernd Schwamm »Schimanski machen« (edition text+kritik).
Peter Badel
Peter Badel
Dokumentarist, Kameramann
Dokumentarist, Kameramann für Kinodokumentar-, Spiel- und Fernsehfilme, Fotograf, Autor. Geboren 1953 in Berlin. Kamerastudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Kameramann im DEFA-Studio für Spielfilme, seit 1992 freischaffend tätig, daneben Symposien zur Kameraarbeit, umfangreiche Lehr- und Mentorentätigkeit an verschiedenen Hochschulen bzw. Akademien. Langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thomas Heise von 1982 bis heute, häufige Zusammenarbeit mit den Regis-seuren Christian Klemke, Kurt Tetzlaff und Jan Lorenzen. Fotografische Sammlung und Kuratorentätigkeit zur sozialen Fotografie der 1920er Jahre.
Florian Krautkrämer
Florian Krautkrämer
Professor für Design und Kunst, Hochschule Luzern
Professor an der Hochschule Luzern Design & Kunst und forscht zur Veränderung von Amateurmedien und Kameras im Zusammenhang der Digitalisierung. Er leitet das SNF-Forschungsprojekt »Interaktiver Dokumentar-film« und hat 2018 für zwei Semester die Professur für Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg Universi-tät in Mainz vertreten. Zusammen mit Winfried Gerling hat er das Buch »Versatile Camcorders. Looking at the GoPro-Movement« (Kadmos 2021) herausgegeben und 2018 das Buch »Aufschub. Das Lager Westerbork und der Film von Rudolf Breslauer / Harun Farocki« (Vorwerk 8). Aktuelle Aufsätze zum Thema sind: »Die Kamera abgeben. Über die Veränderungen von Zeugenschaft und Kamera im Dokumentarfilm.« In: Zeynep Tuna et al (Hg): Bezeugen. Mediale, forensische und kulturelle Praktiken der Zeugenschaft. Stuttgart 2022; »Stay in the Moment. Vom Filmen nebenbei und der Suche nach dem Amateurfilm im Alltag.« In: Brückner/Groß (Hg): Im Verwandeln der Zeit. Reflexionen über filmische Bilder. Berlin 2022.
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Datum

18. Nov. 2022
Abgelaufene Events

Uhrzeit

10:00 - 16:00
Kommunales Kino Metropolis

Ort

Kommunales Kino Metropolis
Kleine Theaterstr. 10, 20354 Hamburg
cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes

Veranstalter

cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes
Phone
+49-40-352194
E-Mail
info@cinefest.de
Website
http://www.cinefest.de

Sprecher

  • Axel Block
    Axel Block
    Kameramann

    Kameramann seit 1974 (u.a. ca. 30 Kinofilme, 50 Fernsehfilme, div. Auszeichnungen). 1983/84 zusammen mit Arthur Ahrweiler Realisation der Dokumentation MEINE VERANTWORTUNG IST DIE FOTOGRAFIE (Interviews mit Ka-meramännern über ihre Arbeit im deutschen Film zwischen 1920 und 1950). 1995 Veranstalter eines internati-onalen Symposiums über CINEMASCOPE UND SUPER-35. Hochschullehrer an div. Hochschulen (u.a. von 1997–2015 Lehrstuhl für Angewandte Bildästhetik, HFF München – Aufbau der Abteilung VII/Kamera). 2020 Autor von »Die Kameraaugen des Fritz Lang« (edition text+kritik, Willy Haas-Preis 2021). 2022 zus. mit Gabriele Mehling, Michael Hild, Bernd Schwamm »Schimanski machen« (edition text+kritik).

  • Florian Krautkrämer
    Florian Krautkrämer
    Professor für Design und Kunst, Hochschule Luzern

    Professor an der Hochschule Luzern Design & Kunst und forscht zur Veränderung von Amateurmedien und Kameras im Zusammenhang der Digitalisierung. Er leitet das SNF-Forschungsprojekt »Interaktiver Dokumentar-film« und hat 2018 für zwei Semester die Professur für Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg Universi-tät in Mainz vertreten. Zusammen mit Winfried Gerling hat er das Buch »Versatile Camcorders. Looking at the GoPro-Movement« (Kadmos 2021) herausgegeben und 2018 das Buch »Aufschub. Das Lager Westerbork und der Film von Rudolf Breslauer / Harun Farocki« (Vorwerk 8). Aktuelle Aufsätze zum Thema sind: »Die Kamera abgeben. Über die Veränderungen von Zeugenschaft und Kamera im Dokumentarfilm.« In: Zeynep Tuna et al (Hg): Bezeugen. Mediale, forensische und kulturelle Praktiken der Zeugenschaft. Stuttgart 2022; »Stay in the Moment. Vom Filmen nebenbei und der Suche nach dem Amateurfilm im Alltag.« In: Brückner/Groß (Hg): Im Verwandeln der Zeit. Reflexionen über filmische Bilder. Berlin 2022.

  • Michael Neubauer
    Michael Neubauer
    Geschäftsführer BVK

    Dr. rer. pol. Michael Neubauer ist Geschäftsführer des BVK. 1958 in Marburg/Lahn geboren, humanistisches Abitur, Wehrdienst, Praktikum im Filmkopierwerk, Studium SFOF Berlin (staatlich geprüfter Kameraassistent). Ab 1981 tätig als freier Kameraassistent, 1987 Kameramann, ab 1981 Studium an der Ludwig-Maximilians Universität München: Kommunikationswissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaft (1987 M.A., 1995 Dr. rer. pol.), eigene Produktion von Natur- und Imagefilmen, 1995–2002 externer Trainer der Staatlichen Führungsakademie Landshut (Organisations- und Team-Entwicklung), div. Lehraufträge, Autor und Mitheraus-geber zahlreicher Publikationen zur Berufssoziologie und Qualifikation von Kameraleuten und von Fachbü-chern über Bildgestalter, seit 1. Januar 2000 Geschäftsführer des BVK (Berufsverband Kinematografie e.V.), Mitglied im Verwaltungsrat der VG Bild-Kunst, Initiator und Moderator der UrheberAllianz Film&Fernsehen. Arbeitet in München und lebt 25 km außerhalb auf dem Land.

  • Peter Badel
    Peter Badel
    Dokumentarist, Kameramann

    Dokumentarist, Kameramann für Kinodokumentar-, Spiel- und Fernsehfilme, Fotograf, Autor. Geboren 1953 in Berlin. Kamerastudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg. Kameramann im DEFA-Studio für Spielfilme, seit 1992 freischaffend tätig, daneben Symposien zur Kameraarbeit, umfangreiche Lehr- und Mentorentätigkeit an verschiedenen Hochschulen bzw. Akademien. Langjährige freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thomas Heise von 1982 bis heute, häufige Zusammenarbeit mit den Regis-seuren Christian Klemke, Kurt Tetzlaff und Jan Lorenzen. Fotografische Sammlung und Kuratorentätigkeit zur sozialen Fotografie der 1920er Jahre.


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