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Willy Haas-Preis



Auszeichnung einer bedeutenden internationalen Publikation zum deutschsprachigen Film bzw. zum Film in Deutschland.

Benannt nach dem in Prag geborenen, in Hamburg verstorbenen Literaten, Filmkritiker und Drehbuchautor Willy Haas.

Zuvor Nominierung von bis zu 6 Büchern (keine Beiträge in Anthologien) und bis zu 6 DVDs, erschienen im Laufe der letzten 2 Jahre.

— Verliehen durch eine unabhängige internationale Jury.

Willy Haas Preis 2018


Buch
DVD


Der Willy Haas-Preis zeichnet jährlich im Rahmen des cinefest – Internationales Festival des deutschen Film-Erbes bedeutende internationale Publikationen zum deutschsprachigen Film in den Bereichen Buch- und DVD-Edition aus. 2018 wird der, nach dem deutsch-tschechischen Literaten, Drehbuchautor und Filmkritiker Willy Haas benannte, Preis zum fünfzehnten Mal vergeben.

2018 bestand das Juroren-Komitee aus Peter Bossen (Hamburg), Judith Ellenbürger (Hamburg), Adelheid Heftberger (Berlin), Uli Jung (Trier) und Fabian Tietke (Berlin).

Die Jury hatte aus den Neuerscheinungen der letzten 24 Monaten je Kategorie sechs Kandidaten für den Preis nominiert. Der endgültige Sieger wurde im Rahmen der Eröffnung des 31. Internationalen Filmhistorischen Kongresses am Mittwoch, den 21. November 2018, im Hamburger Kino Metropolis bekannt gegeben.
Die Gewinner erhielten jeweils eine Urkunde und eine Originalgrafik von Franz Winzentsen.



Die Jury zeichnete in der Kategorie Buch aus:




Weimarer Kino – neu gesehen
Herausgegeben von Karin Herbst-Meßlinger, Rainer Rother, Annika Schaefer. Berlin: Bertz+Fischer 2018.
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Ergänzend zur Retrospektive der diesjährigen Berlinale entstandener Band zu weniger bekannten Filmen der Weimarer Republik mit informativen Beiträgen zur Darstellung von inhaltlichen Aspekten wie Revolution und Reformation, Arbeitswelt oder Kindheit und Jugend sowie zum Experimentalfilm. Dazu Aufsätze zu ausgewählten Filmen bzw. Regisseuren der Zeit, verfasst von heutigen Filmmachern. Besonders lobenswert erscheint, dass sich das »neu gesehen tatsächlich auf ›neue‹, d.h. bisher kaum betrachtete Filme bezieht. Darüber hinaus überzeugt der Band auf den ersten Blick mit einer sehr guten Bildqualität und einem tollen Layout und Satz. Ein Buch, das Lust auf die Filme macht.


Der Preis wurde von den Herausgeberinnen Karin Herbst-Meßlinger und Annika Schaefer entgegengenommen
Foto: © Swenja Schiemann

Für die Shortlist wurden außerdem die folgenden Bücher ausgewählt:


Berlin School
The Berlin School and its global context.
A Transnational Art Cinema
Herausgegeben von Marco Abel, Jaimey Fisher. Detroit: Wayne State University Press 2018.
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»The Berlin School and Its Global Contexts« ist ein spannender Sammelband, der es schafft, nunmehr klassische Filme und große Regisseure in einem neuen Licht zu betrachten. Im Unterschied zu anderen Sammelwerken zur Berliner Schule stellt dieser Band sie in einen globalen Kontext und analysiert Verbindungslinien z.B. zu Béla Tarr, den Dardenne-Brüdern, So Yong Kim, Steve McQueen oder Vorgängern wie Michelangelo Antonioni und François Truffaut. Dabei finden sich sowohl Texte zu übergreifenden Strömungen oder ausgewählten Künstlern als auch Close Readings zu einzelnen Werken. Die Aufsätze weisen durchgehend ein hohes wissenschaftliches Niveau auf und beleuchten ihre Untersuchungsgegenstände aus diversen theoretischen Blickwinkeln. So entsteht ein hoch interessantes Panorama auf das transnationale Gegenwartskino.



Die Degeto und der Staat. Kulturfilm und Fernsehen zwischen Weimar und Bonn
von Rolf Aurich. München: et+k 2018.
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Geschichte der Degeto, von der Gründung 1929 mit dem selbstgestellten Auftrag, den kulturell wertvollen Film zu fördern und zu verbreiten bis zur heutigen Rolle als Filmeinkaufsgesellschaft der ARD. Schwerpunkt der Darstellung ist der Zeitraum bis ca. 1960, besonderes Augenmerk gilt der Rolle des langjährigen und nicht immer unumstrittenen Vorsitzenden Johannes Eckhardt (1887–1966). Der informative Band ist hervorragend recherchiert, trotz seines bisweilen etwas trockenen Gegenstandes flüssig zu lesen.


Douglas Sirk
Douglas Sirk

von Knut Hickethier, Andreas Stuhlmann. Hamburg: Ellert & Richter 2017.
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Für eine Reihe mit Biografien prominenter Hamburger geschriebene Monografie über den des deutsch-amerikanischen Filmmacher und Melodram-Spezialisten Detlef Sierck bzw. Douglas Sirk, die sich durch Materialreichtum, eine hervorragend Recherche auszeichnet, flüssig zu lesen und teilweise humoristisch geschrieben ist. Gut reproduzierte Bildern, Plakate, Urkunden uvm., ein ausführlicher Anmerkungsapparat und eine Zeittafel runden das Buch ab, dem es so gelingt, diesen großen Regisseur und Hamburger auch einem breiteren Publikum anschaulich nahezubringen.



Günter Peter Straschek: Film – Emigration – Politik
Herausgegeben von Julia Friedrich. Köln: Walther König 2018.
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Günter Peter Straschek ist einer der bekanntesten Unbekannten der Filmgeschichtsschreibung, Student des ersten Jahrgangs der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin, stets in kritischer Distanz zu den Verknappungen auf politische Schlagworte, später einer der ersten, die sich der Vertreibung von Filmschaffenden aus Deutschland im Nationalsozialismus widmete. Kuratorin Julia Friedrich hat mit ihrer Ausstellung im Museum Ludwig Pionierarbeit geleistet. Der von ihr herausgegebene Katalog zur Ausstellung versammelt Texte auf Deutsch und Englisch, die die Befassung mit dieser Ausnahmepersönlichkeit hoffentlich auf Jahre hinaus anregen. Mit dieser wichtigen und lang verdienten Würdigung haben Ausstellung und Katalog einen wichtigen Beitrag zur deutschen Filmgeschichtsschreibung geleistet.



Unbekannter Ivens. Triumph, Verdammnis, Auferstehung. Joris Ivens bei der DEFA und in der DDR 1948–1989
von Günter Jordan. Berlin: Bertz+Fischer 2018.
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Der international aktive Dokumentarfilmer Joris Ivens war auch mit der DEFA für nahezu zwanzig Jahre verbunden. Seine Filme LIED DER STRÖME (1954) und DIE WINDROSE (1956) sowie der Spielfilm DIE ABENTEUER DES TIL EULENSPIEGEL (DDR/FR 1956) zeugen nicht allein von Ivens‘Verbundenheit mit der DEFA, sondern auch von seien komplexen Beziehungen zur DDR-Film- und Kino-Szene. Günter Jordan zeichnet in seiner umfangreichen und kleinteiligen Studie diese recht komplizierten Verhältnisse nach und eruiert damit nicht nur kaum bekannte Aspekte von Ivens‘ Biografie, sondern beleuchtet damit auch Aspekte der Kulturgeschichte der DDR, die heute leicht der Gefahr unterliegen, in Vergessenheit zu geraten.



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Die Jury zeichnete in der Kategorie DVD aus:


Liebelei
Liebelei / Lola Montez
Regie: Max Ophüls. 2 DVDs. Inkl. Bonusmaterial. Ausführliches Booklet. Edition Filmmuseum 2018.
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Im Gesamtwerk von Max Ophüls bilden diese beiden Filme die wichtigen Eckpunkte. LIEBELEI war sein künstlerischer und kommerzieller Durchbruch, LOLA MONTEZ bildete den Schlusspunkt seiner Karriere. Es macht also durchaus Sinn, beide Filme wie hier auf einer Doppel-DVD zu vereinen. Beide wurden für diese Veröffentlichung aufwendig restauriert und mit üppigem und sehr informativem Bonusmaterial versehen (u.a. eine WDR-Dokumentation über Ophüls von 1990, sowie ein Hörfunkfeature mit dem Regisseur von 1956), dazu ein 20-seitiges Booklet. Eine mehr als gelungene Würdigung für einen außergewöhnlichen Regisseur.


Der Preis wurde von Stefan Drößler (Filmmuseum München) entgegengenommen.
Foto: © Swenja Schiemann



Für die Shortlist wurden außerdem die folgenden DVD-Editionen ausgewählt:


Das alte Gesetz DVD Das alte Gesetz
Das alte Gesetz

Regie: E.A. Dupont. Inkl. Bonusmaterial. Ausführliches Booklet. DVD: absolut MEDIEN 2018 / Blu-ray: Flicker Alley 2018.
→ zur Verlagsseite (absolutMedien) (Flickeralley)
Ein Stummfilm-Highlight – DAS ALTE GESETZ von E. A. Dupont aus dem Jahr 1923 – ist in diesem Jahr in Zusammenarbeit sowohl mit absolut MEDIEN als auch mit Flicker Alley erschienen. Es handelt sich bei diesem Titel nicht nur um einen Meilenstein der deutsch-jüdischen Filmgeschichte, sondern auch um die erste vollständige Rekonstruktion des Werks, das zudem mit zwei Musikfassungen anzuschauen bzw. anzuhören ist. Ein ca. 20-seitiges Booklet mit Essays von Cythia Walk und Daniel Meiller leistet eine sehr gute Einführung und Kontextualisierung. Zudem warten die Editionen mit umfangreichem Bonusmaterial auf, von dem besonders die Dokumentation DER FILM IM FILM über die Filmproduktion in der Weimarer Zeit mit Regisseuren wie Fritz Lang, Robert Wiene und Dupont hervorgehoben werden soll. Aber auch die Filmstills aus der Rekonstruktion wie auch die Faksimiles von Drehberichten, Programmheften oder Zensurfreigaben sind eine enorme Bereicherung. Somit erhält man mit dem an sich schon großartigen und sehenswerten Film einiges an Zeitgeschichte dazu.


Babelsberger Freiheiten
Babelsberger Freiheiten. Filme der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« 1957 – 1990
Herausgeber: Ilka Brombach. 2 DVDs. Ausführliches Booklet. absolut MEDIEN 2018.
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Diese Edition vereint auf zwei DVDs insgesamt 19 studentische Arbeiten, die zwischen 1957 und 1990 an der damaligen HFF »Konrad Wolf« (jetzt Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF) entstanden sind. Der Herausgeberin Ilka Brombach ist für die Möglichkeit zu danken , diese absolut sehenswerten Dokumentar- und Spielfilme aus dem Archiv der Filmuniversität jetzt entdecken zu können. Ein umfangreiches Begleitheft kontextualisiert die Produktionsbedingungen und liefert Informationen zu den einzelnen Filmen.


Filme zur Studentenbewegung
Filme zur Studentenbewegung 1967 – 1969
Regie: Günther Hörmann, Hans-Dieter Müller, Wilfried E. Reinke. 2 DVDs. Ausführliches Booklet. absolut MEDIEN 2018.
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Die Filme Günther Hörmanns zur Studierendenbewegung um »1968« nehmen eine besondere Stellung in den Filmen dieser Zeit ein: sie dokumentieren und zeigen sich zugleich in der Lage, das Gesehene zu verorten. Lange Zeit waren Hörmanns Filme nur schwer greifbar. Deshalb ist es ein außerordentlich lobenswerter Beitrag des Berliner DVD-Labels absolut MEDIEN, diese Filme nun in einer vorbildlichen Edition zugänglich gemacht zu haben. Die Edition beschränkt sich nicht darauf, die Filme auf zwei üppig gefüllten DVDs darzubieten, sondern kontextualisiert diese in einem Booklet und mit zusätzlichen Informationen im Bonus-Teil der DVD. Möge die Edition zur verdienten Wiederentdeckung dieser und anderer Filme Hörmanns beitragen.


Hunge in Waldenburg
Hunger in Waldenburg / Ums tägliche Brot
Regie: Phil Jutzi, Wolfgang Neff, Uwe Mann. DVD. Inkl. Bonusmaterial. Arte edition. absolut MEDIEN 2018.
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Phil Jutzis proletarischer Film HUNGER IN WALDENBURG (1929) liegt in rekonstruierter Fassung erstmalig auf DVD vor. Sie wird ergänzt durch sein »bürgerliches Gegenstück«, Wolfgang Neffs MORGENRÖTE – DAS DRAMA DES STOLLEN 306 (1929). Zudem präsentiert die DVD eine fragmentarische Tonfassung von Jutzis Film, die 1974 im Fernsehen der DDR gezeigt wurde. Ein Booklet ist im umfangreichen PDF-Rom-Teil beigefügt und präsentiert einige Forschungsartikel zum Film (durchgehend in Deutsch und Polnisch) sowie einige Produktions- und Zensurunterlagen – eine rundum informative Edition des Filmmuseums Potsdam.


Schwarzer Kies
Schwarzer Kies
Regie: Helmut Käutner. DVD. 12-seitiges Booklet. F. W. Murnau Editon. Concorde 2017.
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Käutners zeitkritische Abrechnung mit der BRD-Gesellschaft jener Zeit fiel ziemlich kolportagehaft aus und deshalb bei Kritik und Publikum durch. Außerdem gab es Proteste wegen angeblichem Antisemitismus, weswegen der Film nach der Premiere gegen den Willen des Regisseurs umgeschnitten wurde. Die Blu-ray enthält die Rekonstruktion beider Fassungen, über die vielfachen Problemlagen des Films informiert ein 12-seitiges Booklet. Bis auf den Trailer sonst kein weiteres Bonusmaterial. Filmhistorisch aber eine wichtige Wiederentdeckung.


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Willy Haas Preis 2017

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