cinefest - Internationales Festival des deutschen Film-Erbes

27. Internationaler Filmhistorischer Kongress

GEGEN?ÖFFENTLICHKEIT!
Neue Wege im Dokumentarischen


20.11. – 22.11.2014, 9.30 – 16.00 Uhr
im Gästehaus der Universität (Rothenbaumchaussee 34)
- für die Teilnahme am Kongress ist eine vorherige Anmeldung erforderlich -

Übersicht der Panels



c/o: Günter Zint


In den 1960er Jahren erlebte der dokumentarische Film einen fundamentalen Wandel. Zunächst wurden durch die 16mm-Kamera und tragbare Tonbandgeräte endlich unkompliziert synchrone O-Ton-Aufnahmen möglich, was auch großen Einfluss auf den Stil und Themen hatte. Klaus Wildenhahn hat diese Umbrüche in seinem Doppelporträt Ein Film für BOSSACK UND LEACOCK (1983/84) reflektiert. Mit mobilen Handkameras war es nun möglich, Situationen sehr direkt aufzunehmen. Eine weitere Veränderung brachten dann die leichten Kameras der unterschiedlichen Video-Formate mit sich: Sie ermöglichten längere durchgehende Aufnahmen, erschwerten zunächst allerdings auch die Montage.

Diese technischen Veränderungen trafen auf einen gesellschaftlichen Umbruch. Studenten demonstrierten in Paris, Berlin und anderswo gegen die etablierten, verkrusteten Gesellschaftsstrukturen. Daraus entwickelten sich dann verschiedene Protestbewegungen wie die Friedens-, Anti-Atom- und Öko-Bewegung. Ebenso erhob sich Widerstand gegen technische Großprojekte. Da die etablierten Medien diese oppositionellen Strömungen oft ignorierten oder sogar durch Verunglimpfungen massiv bekämpften, bildeten sich verschiedene Formen einer Gegenöffentlichkeit heraus – alternative Zeitungsprojekte, Piratenradios, Videogruppen oder progressive Medienzentren.

cinefest 2014 widmet sich diesem Thema, stellt es in einen internationalen Zusammenhang und schlägt einen Bogen zu aktuellen Filmen, die die Tradition dieser Themen – oft auch in innovativer Stilistik – weiterführen. Gerade durch die Globalisierung und die Finanzkrisen wächst wieder der Zweifel an der Tragfähigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems. In vielen Bereichen sind Alternativen gefragt. Das Internet und die sozialen Netzwerke ermöglichen neue Formen einer Gegenöffentlichkeit.

Klassiker wie Peter Kriegs SEPTEMBERWEIZEN (1980) und der Anti-Strauß-Film DER KANDIDAT (1979/80, Stefan Aust, Volker Schlöndorff, Alexander Kluge u.a.) werden kontrastiert mit aktuelleren Produktionen wie WORKINGMAN'S DEATH (2002-05) von Michael Glawogger. Aus der Medienwerkstatt Freiburg (S'WESCHPE-NÄSCHT, 1982) gingen die Produzentin Miriam Quinte und die Regisseure Didi und Pepe Danquart  hervor. Kultstatus erzielte das Video ZÜRI BRÄNNT (CH 1980/81) über die Jugendbewegung in der schweizerischen Finanzmetropole. Aus dem Protest gegen Gorleben entstand die Wendländische Filmkooperative (GORLEBEN, DER TRAUM VON EINER SACHE, 1980/81). In Hamburg drehte das Filmmacher-Kollektiv »die thede« zahlreiche Video-Produktionen zur Bewegung, entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahrzehnte technisch, inhaltlich und stilistisch weiter.

In der DDR bereitete sich die Protestbewegung zum Teil innerhalb der staatlich kontrollierten Medien vor. DEFA-Dokumentaristen stellten nun Einzelpersonen und ihre persönlichen Schicksale in den Mittelpunkt ihrer Filme. Der Unmut junger Arbeiterinnen über die Situation an ihrem Arbeitsplatz wird beispielhaft in Volker Koepps Wittstock-Reihe sichtbar. Die Stimmung der Wendezeit versuchten Studenten der HFF in verschiedenen Städten der DDR einzufangen (LEIPZIG IM HERBST, 1989).

Wichtig war zudem ein neuer kritischer Blick auf die Arbeitswelt, wie in den Klassikern ROTE FAHNEN SIEHT MAN BESSER. Eine Betriebsstillegung aus der Sicht der Entlassenen (1971, Theo Gallehr und Rolf Schübel) oder Hartmut Bitomskys DER VW-KOMPLEX (1989). 

Ergänzt wird das Programm mit internationalen Beispielen aus der Tschechoslowakei  und Großbritannien (Thatcher-Zeit).

Als Special Event präsentiert der Filmhistoriker und Oscar-Preisträger Kevin Brownlow zum 50. Jahrestag der Premiere seinen Filmerstling IT HAPPENED HERE, die fiktive Dokumentation der deutschen Eroberung Londons.

Auch heute erlebt der Dokumentarfilm wieder eine große Veränderung, immer wichtiger werden Handy- und Videoaufnahmen, die von den Beteiligten direkt vor Ort inmitten des Geschehens gedreht wurden. Bekannte Beispiele sind Dokumentationen über den arabischen Frühling. Cinefest und Filmhistorischer Kongress werden auch auf diese neuesten Entwicklungen eingehen.

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Panels und Referenten


Donnerstag, 20.11.

Panel I
GRUNDLAGEN: DOKUMENTARFILM, ÖFFENTLICHKEIT & ERFAHRUNG
Thomas Weber, Hamburg – Klaus Kreimeier, Berlin – Britta Hartmann, Berlin

Panel II
INTERNATIONALE VORBILDER: PROTESTE & VERNETZUNG
Julian Petley, London – Thomas Tode, Hamburg


Freitag, 21.11.

Panel III
GEGENÖFFENTLICHKEIT: VIDEOGRUPPEN & PROTESTBEWEGUNGEN
Kay Hoffmann, Stuttgart – Wolfgang Stickel, Freiburg – Malte Voß, Berlin

Panel IV
HAMBURGER MEDIENLANDSCHAFT: ALTERNATIV & ETABLIERT
Gerd Roscher, Hamburg – Hans-Ulrich Wagner, Hamburg


Sonnabend, 22.11.

Panel V
KEIN WIDERSPRUCH: SUBVERSIVITÄT & DDR
Ralf Forster, Berlin – Matthias Steinle, Paris

Panel VI
KAMPF UM ANERKENNUNG: FEMINISMUS & SCHWUL-LESBISCHE BEWEGUNG
Ursula von Keitz, Potsdam – Daniel Kulle, Hamburg


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Der 27. Internationale Filmhistorische Kongress ist integraler Bestandteil des XI. Cinefest – Internationales Festival des deutschen Film-Erbes (15.–23.11.).

Die Vorträge des Kongresses werden in überarbeiteter Form anschließend in einem CineGraph Buch veröffentlicht.


Konzeption: Hans-Michael Bock, Kay Hoffmann, Erika Wottrich, Swenja Schiemann
Beratung: Karl Griep,Thomas Weber, Ursula von Keitz, Christian Lehmann-Feddersen, Johannes Roschlau, Julian Petley

Organisation: Erika Wottrich
Coordination Bundesarchiv-Filmarchiv: Roland Foitzik


Der Kongres findet statt in Zusammenarbeit mit dem DFG-Projekt »Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland (1945-2005)«.

Weitere Informationen bei:
CineGraph e.V., Schillerstr. 43, 22767 Hamburg
Tel.: +49-(0)40-352194, Fax: +49-(0)40-345864
email: kongress(at)cinegraph.de
Kontakt: Erika Wottrich, Swenja Schiemann

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Rückblick auf den 26. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 25. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 24. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 23. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 22. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 21. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 20. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 19. Internationalen Filmhistorischen Kongress
Rückblick auf den 18. Internationalen Filmhistorischen Kongress

Rückblick auf die Kongresse 1989-2004

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Trailer cinefest 2013


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