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Willy Haas-Preis



Auszeichnung einer bedeutenden internationalen Publikation zum deutschsprachigen Film bzw. zum Film in Deutschland.

Benannt nach dem in Prag geborenen, in Hamburg verstorbenen Literaten, Filmkritiker und Drehbuchautor Willy Haas.

Zuvor Nominierung von bis zu 6 Büchern (keine Beiträge in Anthologien) und bis zu 6 DVDs, erschienen im Laufe der letzten 2 Jahre.

— Verliehen durch eine unabhängige internationale Jury.

Willy Haas Preis 2017


Buch
DVD
Lobende Erwähnung


2017 besteht das Juroren-Komitee aus Peter Bossen (Hamburg), Adelheid Heftberger (Berlin), Uli Jung (Trier), Heike Klippel (Braunschweig) und Fabian Tietke (Berlin).

Der Willy Haas-Preis wurde am 22.11. im Rahmen der Eröffnung des 30. Internationalen Filmhistorischen Kongresses verliehen.
Die Gewinner erhielten jeweils eine Urkunde und eine Originalgrafik von Franz Winzentsen.


In der Kategorie Buch wurde folgende Publikationen ausgezeichnet:



Filmexil Sowjetunion
Filmexil Sowjetunion. Deutsche Emigranten in der sowjetischen Filmproduktion

von Christoph Hesse. München: edition text + kritik, 2017.
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Der Filmwissenschaftler Christoph Hesse legt ein wahrlich gewichtiges Buch vor. Auf ganzen 670 Seiten zeichnet er in seinen eigenen Worten »so etwas wie eine Produktionsgeschichte des Filmexils in der Sowjetunion« nach. Die vom Autor akribisch recherchierte Geschichte ist eine der enttäuschten Hoffnungen, des Scheiterns und sogar des Terrors. Entlang von Einzelschicksalen wie z.B. dem des Schauspielers Gustav von Wangenheim und den wenigen tatsächlich produzierten Filmen wie Aufstand der Fischer von Erwin Piscator oder Wangenheims Kämpfer verdeutlicht er diese These und verliert auch die großen geschichtlichen Bögen nicht aus den Augen. Das Buch bietet für alle am Thema interessierten LeserInnen eine spannende und gewinnbringende Lektüre.

Für die Shortlist in der Katagorie Buch waren außerdem folgende Titel nominiert:


Jean-Marie Straub & Danièle Huillet.

von Ted Fendt. Wien: Synema, 2016.
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Der vom Österreichischen Filmmuseum in englischer Sprache publizierte Band gibt einen ausgezeichneten Überblick über die Filmarbeit Straub/Huillets. Ein umfangreicher Aufsatz ist dem gesamten filmischen Werk gewidmet und leistet eine politische und kulturelle Einordnung der Filme, ergänzt durch eine Vielzahl von Abbildungen. Hinzu kommen das kontrovers diskutierte Interview von Straub/Huillet mit Francois Albera von 2001, eine Reihe kürzerer, persönlicher Reflexionen von Mitarbeitern und Wegbegleitern, sowie Beiträge zur englisch-amerikanischen Rezeption der Filme. Besonders schön sind die vielen Fotos und Reproduktionen von Dokumenten: Budgets, Rechnungen, Briefe, Postkarten. Eine detaillierte Filmographie erfasst die gesamten Credits aller Filme bis 2015, hinzu kommt eine Bibliographie aller englischsprachigen Texte zum Werk von  Straub/Huillet.



Wiedersehen im Wirtschaftswunder. Remakes von Filmen aus der Zeit des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik 1949–1963

von Stefanie Mathilde Frank. Göttingen: V&R unipress, 2017.
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Es gibt Bücher, bei denen man kaum glauben mag, dass sie erst jetzt geschrieben werden: Stefanie Mathilde Franks Studie über Remakes von Filmen aus der Zeit des Nationalsozialismus in der jungen Bundesrepublik ist so ein Fall. Das Thema von Remakes erweist sich in der Lektüre als unmittelbar einleuchtend, um Kontinuitäten und Brüche zwischen dem Kino des Nationalsozialismus und der jungen BRD zu beleuchten und die jeweiligen Spezifika von Vorlage und Remake bis hin zu Vorlieben für bestimmte Typen von Darstellerinnen und Darstellern verständlich zu machen. Frank leistet mit ihrem Buch nicht nur einen lesenswerten Beitrag zur Mediengeschichte der Bundesrepublik, sondern verbindet zudem gekonnt die Untersuchung von filmhistorischen Voraussetzungen für diese Remakekultur mit sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Aspekten. Wiedersehen im Wirtschaftswunder erschließt im Vergleich zwei mediale Welten - eine anregende Lektüre.




Archiv der Schaulust. Eine Geschichte des frühen Kinos in der K.u.K. Ära 1896-1918
von Ernst Kieninger, Armin Loacker, Nikolaus Wostry. Wien: Filmarchiv Austria, 2016.
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Archiv der Schaulust ist das Begleitbuch zu einer Ausstellung, die das Filmarchiv  Austria 2016 in Wien organisiert hat. Zahlreiche kundige Autoren beleuchten die unterschiedlichsten Aspekte der frühen österreichischen Filmgeschichte, von den frühen Wanderkinos über die Kinoreformbewegung, die frühe musikalische Filmbegleitung bis hin zu einzelnen Akteuren wie beispielsweise Kameramann Hans Theyer oder Produzenten Louise und Anton Kolm und Jakob Fleck. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Produktion und Auswertung der österreichischen Filmproduktion während des Ersten Weltkriegs. Eine opulente Illustrierung des Bandes mit zahlreichen Reproduktionen zeitgenössischer Inserate aus der Branchenpresse sowie der Lokalpresse, Kadervergrößerungen aus vielen der behandelten Filme und anderer Werbematerialien machen das Werk zu einem großartigen Lesebuch zur Frühgeschichte des österreichischen Films, das sich nicht ausschließlich an Fachleute wendet, sondern auch ein breiteres Publikum   ansprechen dürfte.



Die Hamburgische Dramaturgie der Medien. Egon Monk - Autor, Regisseur, Produzent.

von Julia Schumacher, Andreas Stuhlmann. Marburg: Schüren, 2017.
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Zwischen 1960 und 1968 war der Brecht-Schüler Egon Monk Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel beim NDR tätig und als Autor, Regisseur und Produzent verantwortlich für die Entwicklung neuer ästhetischer Formen des Fernsehspiels in Bezug auf eine gesellschaftliche Ausrichtung und einen aufklärerischen Charakter. Der Sammelband, Ergebnis einer Hamburger Arbeitstagung, beleuchtet alle Aspekte dieser Entwicklung, lässt aber auch Monks Arbeiten für Hörfunk und Theater nicht außer Acht und beleuchtet schließlich noch seinen Einfluss auf Regisseure wie Eberhard Fechner oder Klaus Wildenhahn.



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In der Katagorie
DVD wurde folgende Edition ausgezeichnet:


Mädchen Mädchen
Mädchen, Mädchen

Regie: Roger Fritz. Inkl. Bonusmaterial. Subkultur-Entertainment 2016.
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Schon seit einiger Zeit setzt die Edition Subkultur mit ihrer Reihe Edition DeutscheVita neue Standards für die cinephile Präsentation von Filmen für den Heimkinomarkt. Nun hat sich die Edition auch Roger Fritz’ Mädchen, Mädchen angenommen. Fritz’ Film über eine junge Frau, die Auslöser eines Generationenkonflikts zwischen einem Vater und einem Sohn wird, besticht dank der Abtastung in 2k wieder in voller Bildpracht, aus der Roger Fritz Vorgeschichte als Fotograf spricht. Die Edition präsentiert den Film auf DVD und BluRay jeweils mit deutschem Originalton und deutschen, englischen und italienischen Untertiteln. Ergänzt wird der Film durch Outtakes, ein alternatives Ende, einen informativen Audiokommentar und ein lesenswertes Booklet mit einem Text von Christoph Huber. Eine Edition, die schon im Regal Lust macht, den Film wiederzuentdecken.


Für die Shortlist in der Kategorie
DVD waren außerdem folgende Titel nominiert:


Acht Stunden sind kein Tag

Regie: Rainer Werner Fassbinder. Digital Remastered. 3 DVDs. Inkl. Bonusmaterial. Ausführliches Booklet. Studiocanal 2017
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Es ist der unermüdlichen Arbeit der Fassbinder Foundation zu verdanken, dass die fünfteilige, vom WDR produzierte TV-Serie Acht Stunden sind kein Tag restauriert wurde, um in diesem Jahr wieder im Kino und als DVD Edition zugänglich gemacht zu werden. Auf den drei Disks der Edition ist neben dem Hauptwerk auch noch die 40-minütige Dokumentation Eine Serie wird zum Familientreffpunkt von Juliane Maria Lorenz zu sehen, in der nicht nur Fassbinders SchauspielerInnen und MitstreiterInnen über die Arbeit und Hintergründe des Films sprechen, sondern auch der Fassbinder in Archivaufnahmen zu Wort kommt. Ergänzt wird die Ausgabe mit einem informativen 32-seitigen Booklet. Insgesamt handelt es sich um eine inhaltlich und technisch überzeugende Publikation, die nicht nur Fassbinder-Fans erfreuen wird, sondern alle Interessierten zur (Neu-)Entdeckung des Regisseurs einlädt.




Das Mädchen aus dem Fahrstuhl (1990) / Leben zu zweit (1967)

Regie: Herrmann Zschoche. 2 DEFA Spielfilme. Icestorm 2017.
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Durch die prekäre soziale Situation einer Mitschülerin werden einem angepassten 16jährigen die Widersprüche in der sozialistischen Gesellschaft der DDR bewusst, die er schließlich öffentlich kritisch hinterfragt. Eine einfühlsam beobachtete Coming of age-Geschichte und eine Allegorie auf das Scheitern der DDR, die sich zur Zeit der Entstehung des Films 1990 schon in der Auflösung befand. Als Herrmann Zschoches Film 1991 uraufgeführt wurde, war die DDR quasi nicht mehr existent und er geriet in Vergessenheit. Ihn da wieder herauszuholen ist das Verdienst dieser DVD-Veröffentlichung. Als Beigabe gibt es dafür Zschoches ebenfalls wenig bekannten Film Leben zu zweit von 1968.



Hungerjahre - in einem reichen Land

Regie: Jutta Brückner. Inkl. Bonusmaterial. absolut MEDIEN 2017.
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Hungerjahre, zur Zeit seines Erscheinens viel diskutiert, ist inzwischen ein Klassiker des feministischen Films, und es ist das Verdienst der DVD, den Film in einer restaurierten Version wieder zugänglich zu machen. Der Film gibt kurze Schlaglichter auf die Pubertät eines Mädchens im kleinbürgerlichen Milieu der 1950er Jahre aus einer konsequent weiblichen Perspektive: Die politische Indifferenz, Konsumorientierung, Repression und Sexualfeindlichkeit, die die Möglichkeit einer weiblichen Subjektivität ersticken. Als Bonus sind die Dokumentation Tue recht und scheue niemand (1975) enthalten, eine eindrucksvolle Biographie einer Frau der Kriegsgeneration, sowie ein 50-seitiges PDF mit Materialien zu den Filmen.




Jahrgang 45 & Drei von vielen

Regie: Jürgen Böttcher. 2 DVDs, Bonusfilme und 16-seitiges Booklet. Edition Filmmuseum 2016.
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Das filmische Werk Jürgen Böttchers war auch nach der »Wiederentdeckung«, die Jahrgang 45 gemeinsam mit vielen der übrigen sogenannten »Verbotsfilme« nach der Friedlichen Revolution erfahren haben, noch lange ein Geheimtipp. Mit einer umfangreichen Edition wurde es nun in das Pantheon der Edition Filmmuseum aufgenommen und so allgemein zugänglich. Wer Jahrgang 45 zum ersten Mal in dieser Edition sieht, wird kaum umhinkönnen, sich auch die übrigen Filme aus Böttchers filmischem Kosmos zu erschließen. Wie dieser Film von der Spießigkeit der DDR-Zensur zugerichtet wurde, lässt sich ermessen, da die Edition den Film in mehreren Fassungen präsentiert: der vollständigen mit zwei Tonfassungen (die rekonstruierte Fassung von 1990 und die verstümmelte Tonfassung von 1966) und der gekürzten Zensurfassung von 1966. Zusätzlich ergänzt wird der Film durch einige Kurzfilme von und über Jürgen Böttcher. Böttcher at his best.

 


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Lobende Erwähnung



Kafka geht ins Kino.

von Hanns Zischler. Berlin: Galiani, 2017.
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Bei »Kafka geht ins Kino« von Hanns Zischler handelt es sich weniger um ein Film(historisches)-Buch, als um ein literarisches Zeitbild, in dem es in erster Linie um Kafka und in zweiter um seine Filmerlebnisse im weitesten Sinne geht. Die Jury hat sich jedoch gern entschlossen, eine lobende Erwähnung für das Gesamtprojekt, d.h. Buch und DVD Edition zu diesem außergewöhnlichen Thema, zu vergeben. Der Band ist hervorragend recherchiert und seit der Erstausgabe von 1996 für diese Neuauflage stark überarbeitet worden. Hervorzuheben ist auch die Qualität der Abbildungen und das Layout. Die gleichnamige und umfangreiche 4-DVD-Box macht seltene Filme unter dem speziellen thematischen Blickwinkel nun zugänglich, inklusive »Die weiße Sklavin» und »Rückkehr nach Zion« von 1921.



Kafka geht ins Kino

4 DVDs mit zahlreichen Filmdokumenten, 28-seitiges Booklet. Edition Filmmuseum 2017.
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Schon einmal, vor über 20 Jahren, hat sich Hanns Zischler auf die Suche nach den Spuren von Franz Kafkas Kinoerlebnissen begeben.  »Im Kino gewesen. Geweint« hieß seinerzeit das Ergebnis seiner Arbeit. Auf der Grundlage der verbesserten Archivsituation hat der Autor jetzt eine völlig überarbeitete Neuauflage des Titels herausgebracht, der sich im Bereich zwischen Biographie und literatur-  bzw. filmgeschichtlichem Essay bewegt. 
Auf den vier DVDs der Box aus der edition filmmuseum sind zudem alle Filme vertreten, zu denen sich Kafka in seinem Werk schriftlich geäußert hat, dazu kommen Filme zu historischen Ereignissen, deren Zeitzeuge Kafka war, sowie Zischlers Dokumentation aus dem Jahre 2002. So bietet diese Box wesentlich mehr Material als die der aktuellen Neuauflage von Zischlers Buch beigelegte Einzel-DVD und bildet eine gelungene Abrundung der Kafka-Forschung, kann aber auch als eigenständige Publikation rezipiert werden.
Die gesamte Publikation ist hervorragend recherchiert, ausgesprochen angenehm zu lesen und üppig ausgestattet und verdient eine besondere Erwähnung bei der Verleihung des Willy-Haas-Preises 2017.

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Willy Haas Preis 2016

Willy Haas Preis 2015

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Willy Haas-Preis 2013

Willy Haas-Preis 2012

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Willy Haas-Preis 2008

Willy Haas-Preis 2007


Willy Haas-Preis 2006

Willy Haas-Preis 2005

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Trailer cinefest 2017



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Eröffnung cinefest

Am Samstag, 18.11. um 19:30 Uhr findet die Eröffnung des XIV. cinefest im Metropolis-Kino statt mehr

cinefest 2017 - Programmflyer

Programmflyer cinefest 2017 (pdf)